Auf den Spuren Störtebekers – Spandau Open 2018

Samstagmorgen um halb neun verließen Ryan und ich die Zubringerbarkasse "S9" im Hafen von Stresow und begaben uns zu Fuß die letzten Meter zum Grunewaldpier Nummer 8, wo die "TTC Borussia Spandau“ vor Anker lag.

All zu lange stand das Schiff aber wohl noch nicht im Hafen. Es waren keine Wachen aufgestellt und die Zugangsbrücke war offen, sodass wir völlig unbemerkt das Vorschiff entern konnten.

Auf dem Hauptdeck angekommen, bot sich uns dann ein Bild der totalen Zerstörung. Überall verteilt lagen Seemänner und Meerjungfrauen im Tiefschlaf, nichts rührte sich. Es muss ein heftiger Kampf am Freitag getobt haben, der seinen Tribut von den Freibeutern gefordert hatte.

Kurz nach uns kehrte der Oberbefehlshaber und Admiral zur See, Stefan Peters, von einem kurzen nächtlichen Landgang zurück und machte sich an erste Wiederbelegungsversuche der gezeichneten Mannschaft.

Nur anderthalb Stunden später sah die Lage schon ganz anders aus. Das Deck war geschrubbt, die meisten Piraten gewaschen und an den Tischen wurden vereinzelt bereits wieder die ersten Scheingefechte ausgeführt.

Peters ließ nun zunächst alle Freibeuter und Leichtmatrosen (Gäste die nur für den Samstag gemeldet hatten) antreten und schwor in einer kurzen, aber ergreifenden, Rede alle Anwesenden auf die bevorstehende Abenteuerfahrt ein.

Mit nur geringfügiger Verspätung hieß es dann endlich Leinen los und volle Fahrt voraus ins Vergnügen. Für uns Südostler währte das spielerische Vergnügen allerdings nur kurz.

Mit einem Durchschnitts-TTR unter SPD-Niveau waren wir eher der Krabbenkutter im Feld voller Zerstörer. Zwei Duelle absolvierten bis zum Mittag. Beide Male schoss der Gegner die schnellere Kanonenkugel, sodass wir nach kurzem Säbelrasseln bereits als Applaudierer bei der späteren Siegerehrung feststanden.

Zugegebenermaßen hatte unser sportliches Ablegen auch einen Riesenvorteil. Während das Championat bei geschlossenen Oberluken drinnen weitergeführt wurde, machten wir es uns Achtern auf dem Sonnendeck bequem. Hier hatten die Spandauer eine offene Kombüse eingerichtet, die wahrlich keinen Wunsch offen ließ. Für die fürsorgliche Betreuung der durstigen Seeleute sorgten hier die Smutjes Sandra und Thomas. Und wie jeder erfahrene Seemann weiß, ist die Kombüse das Herzstück eines jeden Turniers, denn hier wird die moralische Handschrift des Turniers gebildet.

Drinnen hatte Stefan inzwischen Unterstützung vom fachkundigen Obermaat Lagenstein an der Seite und die nächste Konkurrenz wurde vom Stapel gelassen. Aber auch in der offenen Beibootklasse, dem Doppel, erwies sich die Schlagkraft der Südostler als nicht ebenbürtig. Nach drei Havarien kenterten wir hier genauso wie das andere Südostduo bereits frühzeitig.

Zurück auf dem Sonnendeck stärkten wir uns an gegrillten Kadavern und leckeren Salaten. Auch das ein oder andere Fass vom Bordrum schien bereits ins Teilnehmerfeld gerollt zu sein. Hier und da war leichter Seegang zu beobachten, was bei der ausgelassenen Stimmung aber nicht verwunderte.

Letzte Disziplin an diesem Abend war die von Hauptbootsmann Hahn erdachte Variante der Piratenklasse. Simpler Logik folgend, wurde hier allen Seeleuten ein Auge mittels stilechter Augenklappe verdeckt. Frei nach dem Motto "Wer zu dieser Stunde doppelt sieht, dem drehen wir die Uhr zurück und verdecken einfach ein Auge, dann passt es wieder."

In der Praxis erwies sich dieser vermeintliche Vorteil allerdings mehr als Handicap denn als Hilfe. Wer zum Beginn dieser Klasse noch nicht schwankte, tat es spätestens jetzt. Die starke Einschränkung des Raumverständnisses hat man das letzte Mal im defensiven Mittelfeld der deutschen Elf bei der WM so deutlich beobachten können. Zum ersten Mal im Leben waren die Pickel auf dem Säbel meines Gegners nicht mein Hauptproblem im Zweikampf. Auch hier verlor ich meine Spiele nach viel ratendem Gestochere letztlich deutlich und trat bereits nach zwei Niederlagen den Plankengang an. Frisch geduscht und neu gewandet hatte man auf dem Sonnendeck inzwischen schon die Lampions entzündet und saß weiter gut gelaunt bei Tabak, Rum und Seemansgarn zusammen.

Um die Tageswende herum waren endlich alle Sieger gefunden und auch die Brückenbesatzung des Piraten-Championats konnte sich nun dem gemütlichen Teil der Fahrt zuwenden.

Unter Deck wurden nun Tische und Bänke aufgebaut und Musik gespielt und das bis in die Morgenstunden des nächsten Tages.

Uns hat die Rundfahrt mit der Borussia viel, viel Spaß gemacht und wir hoffen, auch im nächsten Jahr wieder eingeladen zu werden. Irgendwer muss ja das Kanonenfutter sein.

Ahoi und A-Hu!